Skip to main content

Mit Blick auf’s Wattenmeer …

… nur nicht so schön wie 2025 – in jeder Hinsicht. Wir sind ein paar Meter näher dran, haben aber an Fallhöhe verloren, wir befinden uns nur in der zweiten Etage statt in der siebten. Das Leuchtfeuer von Helgoland bleibt uns hier meistens verborgen, wir geraten schnell in den Bereich der Einbildung. Warum überhaupt Föhr ? Zum 5. Mal in Folge in der ersten Septemberwoche. Das muss man nicht begründen, es ist nun mal so.

Freitag 28. September 2026

Knapp vor Beginn beschlossen wir, nicht am Tag der Anreise loszufahren, sondern mit Zwischenübernachtung. Die uns geläufigen Hotels in Dagebüll und Süderbömmelbü (Tetens) waren voll belegt, Husum zu doof und teuer, und es bot sich überraschend das „Nordseehotel Arlauschleuse“ im Niemandsland zwischen Husum und Nordstrand an. Ein karges Etablissement alten Typs, entstanden aus umgenutzten Scheunen und Ställen, geeignet für kauzige Etappen-Übernachter wie uns oder für durchgehärtete Urlauber, denen die die Einöde nichts ausmacht und gerne den Spruch raushauen : Es gibt kein schlechtes Wetter, nur ungeeignete Kleidung. Wir haben den Spruch aktuell aber gar nicht gehört. An der Rezeption händigte man uns keine Chipkarte aus. sondern einen klassischen Schlüssel mit schwerer Kugel als Bommel.  Das hauseigene Restaurant „Alter Gustav“ kam uns zu steif rüber, und wir starteten einen nachmittglichen Ausflug nach Husum. Mit dem Fahrrad ? Dunkle bretonische Wolken kündigten ernsthafe Schauer an, und nach dem Abendessen würde sinistre Dunkelheit einbrechen. Also mit dem Auto.

Was war zuvor geschehen ? Ein glatte, ereignislose Anreise mit 2 Ladestops (nötig gewesen wäre nur einer), u.a. in Heide im Kreis Dithmarschen (dort, wo seinerzeit, wie schon 2025 ausführlich dargelegt, die Schlagersängerin Alexandra zwischen Kohlköpfen und Bundeswehr-Kaserne vom Geheimdienst einer dunklen, fremden Macht umgebracht worden war). EWE GO neben einem FAMILA Supermarkt, den wir der Kurzweil wegen besichtigten, ohne dort viel zu kaufen. Ein Stück Pflaumenkuchen und ein Café Crême. Ein Verkaufsstand päsentierte in großer Auswahl alle Originalzutaten, die man für einen original dänischen Pølser-Abend braucht.

Der innere und touristisch interessante Bereich von Husum liegt rund um den Innenhafen, der wiederum durch eine klappbare Straßen- und Bahnbrücke mit regem Verkehr vom langsam, aber problematisch verschlickenden Außenhafen getrennt ist. Große Speicher zu beiden Seiten des Hafenbeckens im nachmittäglichen Gegenlicht bildeten die perfekte binnenmaritime Kulisse und sorgen für nahezu cineastische Atmo. Von der Klappbrücke bis zum östlichen Ende des Binnenhafens konzentrieren sich am nördlichen Ufer Restaurants, Läden und Eiscafés in allen in Husum vorstellbaren Preisklassen. Wir kehrten bei einer „Italienerin“ ein und später auf einen Affogato bei einer anderen Italienerin. Auf der Rückfahrt zum Hotel stoppten wir zur gold-blauen Stunde bei der (längst stillgelegten) Arlau-Schleuse, wo ein paar wasserwirtschaftliche Bauten aus vergangenen Zeiten malerisch die stille friesische Landschaft aufwerteten. Unterstrichen wurde das bukolische Gefüge durch Angulateure, die ihre Angulative aufgebaut hatten.

Samstag 29. August 2026 – die Weiterfahrt

Noch immer waren wir nicht am Ziel. Auf sehr schmalen Straßen mit viel Gegenverkehr bei Regen und 5 Bft scharfem Wind aus Südwest mussten wir das Lenkrad konzentriert steuern. Das Highlight der 2. Tagesetappe war der Zwischenstopp beim einsamen Fährterminal Schlüttsiel, dort, wo die kleine Fähre Hilligenlei zu den Halligen ablegt. In Schlüttsiel fand für uns ein Camping-Erlebnis reinster Natur statt. Während es draußen schüttete, kletterten wir ins gut verglaste Oberstübchen eines personell nicht besetzten Wattenmeer-Infozentrums, wo wir die große Auslage von Vogel-Flyern ignorierten, dafür Landschaftsfotos machten und nebenbei auf einem vorgedruckten Ausmal-Bild einem Vogel den Kopf blau und Schnabel und Füße gelb malten. Wir wollten dort gar nicht mehr weg und hätten am liebsten unsere Zimmer eine Etage höher bezogenn und es uns bei Tee und Kuchen mit einem Fernglas auf dem Sofa gemütlich gemacht.

Zur Diskussion stand, die Zeit bis zur Überfahrt nach Föhr um 15.30 Uhr mit einem Ausflug ins Nolde-Zentrum Seebüll zu überbrücken, aber dazu hatte niemand von uns den rechten Bock. Schon wieder Nolde ? Waren wir da nicht erst 2023 ? Die Internetseite versprach nur Langeweile. Für das zugegeben schöne Restaurant hatten wir üppig dem reichhaltigen Hotelfrühstück zugesprochen. Dazu die 40 Nolde-km extra. Wir ließen von dem Vorhaben ab und ängstigten uns bereits vor den großspurig angekündigten 4 Fischbrötchen, also mindestens 4, die in Dagebüll auf unserer Speisekarte standen. Letztendlich reichte der Appitit gerade mal für eine Tasse Kakao – nicht ein Fischbrötchen wanderte über die Theke. Für den Rückweg am 6.9. würde es ähnlich knapp aussehen, denn auf der Rückreise-Überfahrt um 7.15 Uhr ist schon die Pflicht-Bockwurst mit Kartoffelsalat verbindlich gesetzt. Wie sollen da noch 4 Fischbrötchen bewältigt werden ? Auf Nachfrage beim Fahrzeug-Check-in wurde uns dann angeboten, dass wir schon um 12.00 Uhr statt 15.30 rüber konnten. Gut, dass Nolde gecancelt war. In Föhr verzögerte sich der Wohnungsbezug allerdings wieder, weil von der Agentur Freienstein die Wohnung erst um 14.30 bezugsfertig gemeldet wurde – immerhin 2 Stunden vor Vertragsbeginn.

Föhr, Samstag, 29.–Montag 31. August 2026

Im Ortsbild hatte sich bis auf den neuen Kreisverkehr zwischen Stadt, Hafen und REWE nichts geändert, alles wie gehabt. Große Touren nahmen wir bisher nicht in Angriff. Der Sonntag stand im Zeichen des Konsums. Kibbeling bei Lütt Mats, ein viel zu dicker Heidelbeer-Becher plus Walnuss-Becher bei dem angesagten, daher zwangsläufig arroganten Szene-Eiscafé in Nieblum. Die Portionen (trotz lokalem Verzehr nur im Pappbecher) waren lecker, aber too much und zu mächtig, sodass sich schon nach ca. 12 Minuten eine ärgerliche Nachkauf-Reue, die sogenannte kognitive Dissonanz, einstellte, mit spontanen Schwüren à la „Nie wieder Eis“. Abends lauschten wir vor dem Musikpavillon am Sandwall dem allerletzten Konzert der Band „Marcel Richard“ (Pianist, Sängerin, Gitarrist/Sänger). gehoben-intelligent komponierte Popmusik der 1980er bis 2000er Jahre. Der Pianist spielte ein paar Melodie-Läufe, aber keine Begleitung, Weitgehend saß er unterbeschäftigt da. Die Sängerin war gestylt als Hausfrau, die abends noch mal mit dem Hund rausgeht, Vor allem der singende Gitarrist lieferte die Show. Höhepunt am Montag-Nachnittag war ein Besuch im Föhrer „Filmtheater“. Dort versanken wir für 12,50 € in tiefen 2er-Sofas mit riesigen Rückenlehnen, die natürlich auch mit den Sitzen vor uns aufragten. Um einen Blick auf die Leinwand zu erlangen, musste man sich ziemlich recken. Geboten wurde ein gemächlicher Föhrer Heimatfilm anhand von ein paar echten Föhrer Persönlichkeiten, deren Leben im Laufe eines Jahres, mit dem Winter beginnend, aufgeblättert wurden. 45 statt langgezogener 98 Minuten hätten gereicht. Das Werk mit Sound Design und cineastischem Piano erinnerte an die Paderborn-Filme von Julian Jakobsmeyer. Später betraten wir „Bübchens Milchbar“, nur um uns davon zu überzeugen, dass Bübchen selbst anwesend war. Später mehr zu Bübchen. Die eigentliche Einkehr nach dem Kinobesuch fand aber bei Glenngelato statt, wo der Affogato stolze 8,50 kosten sollte. Wir nahmen eine schlichte „Belgse Wafel“ und bekamen ungefragt 2 Gabeln dazu, immerhin. Damit wurde der Eis-Schwur nicht gebrochen.

Die Wohnung

Das Treppenhaus der 1970er-Jahre-„Wohnanlage“ war düster, zugig und es schüttelte uns beim Treppengang.

In der etwas zu engen renovierten Wohnung (*** drei von ***** fünft Sternen) stand zuviel Deko herum, die wir als allererstes aus dem Weg schafften, und zwar in das offensichtliche „Kinderzimmer“, welches auch für kleinwüchsige Senioren gedacht sein mochte, jedenfalls der Bettenlänge von 1,70 Metern nach zu schließen. Das im Vorfeld mit großen Hoffnungen belegte hauseigene Fernglas erwies sich als kaputt, und unser eigenes hatten wir vorsichtshalber daheim gelassen. Wir haben die Wohnung ausdrücklich nicht fotografiert.

Mit etwas Einbildung gelang es uns, in zwei Nächten nach Gewöhnung an die Dunkelheit den Licht-Schweif des Helgoländer Leuchtturms auszumachen. Helgoland bei Nacht steht nun fest auf der Liste der Reiseziele.

Und sonst so

Da der Föhr-Aufenthalt nicht der erste war, hielten sich Überraschungen, starke Erlebnisse und Wow!-Effekte in Grenzen. Natürlich verbrachten wir die Tage nicht damit, in der Wohnung geradeaus an die weiße Wand zu starren, obwohl das möglich gewesen wäre, denn die Wände waren ausnahmslos weiß. Es gab 4 Tätigkeits-Szenarien für unseren 8-tägigen Aufenthalt:

  • Aus dem Fenster kucken und dabei Beobachtungen zu machen:
    vor allem aber die ständige Veränderung des Wolkenbildes, des Lichtes und der Gezeiten.
    Aber auch die von/nach Amrum hin- und herfahrenden 4 Fähren plus Katamaran „Rüm Hart“ (Fähren nach Dagebüll waren von uns aus nicht zu sehen)
  • Uns am Ufer auf der mit EU-Mitteln gut ausgebauten Promenade zu bewegen
  • Radtouren nach Wyk, Nieblum, über die ganze Insel sowie nach Amrum
  • Einkehr in der örtlichen Gastronomie und im Einzelhandel

Aktivitäten + Highlights

Was haben wir unternommen ? Der Kino-Besuch ist bereits maximal ausführlich beschrieben. Ansonsten – das Übliche.

Eine Radtour am Südost-Ufer entlang nach Utersum, und im Zickzack-Kurs über die Dörfer zurück. Das Kurgast-Infozentrum zeigte sich unverändert. Wir haben es 2025 textlich ausführlich durchgenommen. In Alkersum tat sich ein Hofcafé auf, wo es preiswert Heidelbeertorte und relativ riesige Becher Kaffee gab. Bei der integrierten Käserei kauften wir probeweise eine Packung „6-Monate-Gereift“ ohne auffällige geschmackliche Eigenschaften, d.h. er gehörte (leider) auch nicht zu den begehrten „Stinkern“.

An den Dienstag erinnern wir uns nicht mehr. Im Konzert-Pavillon war eine neue Band angekündigt : Lara Steenbock. Außer ihrem etwas dünnen Gesang waren noch ein Keyboarder, einer Drummer und ein Bassist zu vernehmen. Harmlose Pop-Songs. Leider kamen Keyboard und Gesang nicht gegen das Schlagzeug und den Bass an. Die Band war insgesamt nicht schlecht.

Die ganze Woche beschäftigte uns die Frage : Sollen wir beim fisch-Schnellimbiss Scheel die Fischsuppe kaufen ? Der Preis war inzwischen von 10,50 auf 17.50 angestiegen. Wir schoben die Entscheidung bis Samstag-Nachmittag auf, und da hatten sie plötzlich geschlossen. Kommen wir zum Freitag. Am Abend wurde im Kursaal im Rahmen des örtlichen Literaturfestivals „Föhr erLesen“ eine vom Inselboten-Chefredakteur moderierte Lesung mit der Journalistin/Roman-Autorin Beatrix Gerstberger veranstaltet, zu der wir Eintrittskarten gekauft hatten. Im Vorprogramm wurden junge Lyrik-Wettbewerbs-Preisträger*innen vorgestellt, an- und abwesend. Das Publikum durfte abstimmen. Gerstberger stand wochenlang mit „Hummerfrauen“ auf der Spiegel Bestsellerliste und promotete ihr Nachfolge-Werk Hummerjahre. Der Stoff handelt von mehrere Generationen starker Frauen in der Hummer-Fischerei in einem Kaff in Maine. Beim anschließenden Verkauf von signierten Exemplaren waren wir schon wieder weg. Bei Aquamarin (früher Calypso) gab es für einige einen Föhrer Manhattan und für andere ein schnödes Flensburger 0,3. Anschließend trauten wir uns zum zweiten Mal, den Rückweg nach Hause über die für Fahrräder 24/7 streng verbotene Promenade zu radeln. Samstag. Samstag radelten wir bei 4 Bft. Gegenwind mit Regenstop in Nieblum nach Alkersum für den obligatorischen Besuch im Museum Kunst der Westküste. Die aktuelle Ausstellung haute einen nicht direkt um, aber wir nutzten die frühe Ankunft für einen Kaffee im Vorraum des Restaurants Grethjens, bevor der Schwung kam. Ein Moment reinen Glücks. Ansonsten herrschte mittleres Inspirationspotenzial – war schon mal stärker. Der Rückweg ging nicht direkt nach Hause, sondern über Midlum und Oevenum bis zum Deich nördlich von Oevenum. Ein Regenschauer überraschte uns positiv und wir fanden spontan Schutz in einem zugigen leeren Kuhstall, bzw. keinen Schutz, denn der Regen wehte waagerecht hinein. Vor dem Deich angekommen, schien wieder eine Weile die Sonne.

Radtour nach Amrum

Zum Standard-Programm jeder Föhr-Reise gehört die obligatorische Radtour nach Amrum, Da wir aus Erfahrung wissen, dass unsere Herzenswunsch-Spezialübung „Radtour an Bord“ vom argwöhnischen Fährpersonal in Wittdün streng unterbunden wird, und alle Fahrräder unverzüglich an einer bestimmten Stelle platziert werden müssen, kam für die Bord-interne Micro-Radtour nur die Hinfahrt infrage. Das Föhrer Personal ist etwas liberaler gestimmt. Wir filmten das Ereignis mit zwei Kameras. In Amrum setzten wir aus Erfahrung von 2025 folgende Prioritäten: Keine Einkehr auf dem Weg zur Nordspitze. Gegenwind-konforme Route : Rauf durch den Wald, runter ab Nebel an der Wattenmeerseite.In Amrum gab es nichts Neues, außer dass in der Heidekate die jahrzehntelang unveränderte Speisekarte mit überwiegend Käse-überbackenen Schnitzeln gegen leichtere Kost ausgetauscht war. Anscheinend setzt man dort auf ein neues Konzept / hat einen neuen Eigentümer / ist der Koch ausgewechselt. In Norddorf am Strand usselte das Wetter ab, die Strandkorb-Verleiher Martinen, Boysen und Jannen langweilten sich, wir hielten uns nicht lange auf. In der Fischbraterei kannte man kein Kibbeling, und wir zogen enttäuscht weiter. Nur die Inselpraline machte uns nach geschaffter Tour viel Freude. Auf der Baustelle des Wohn- und Appartment-Blocks „Alte Post“ war man keinen Schritt weiter als 2025. Insgesamt eine schöne Tour in der Wetterlage „Grau, kalt und windig“

Bildergalerie Amrum

Etwas Museologie

Keine Föhr-Reise ohne Besuch des Museums Kunst der Westküste. Wir hatten den Besuch bis Samstag Mittag aufgeschoben. Bei drohendem Regen ging es über Nieblum, wo wir eine kurze Schauerpause einlegten, nach Alkersum. Vor Ort gingen wir taktisch vor. Da wir einen Schwung Holländer im Haus erkannten, war unser erstes Ziel das herrlich leere Restaurant. Natürlich wählten wir nicht die dunkle, fensterlose Halle für das Massenpublikum, sondern den netten Vorraum mit den großen Fenstern. Die laufende Ausstellung „Moderne trifft KüsteKünstlerische Aufbrüche im Norden“ blieb im Rahmen den Üblichen und Erwartbaren. Eine zweite, kulturhistorische Ausstellung im Keller zeigte den Beginn der Dampfschiffahrt in halb-künstlerischen Dokumenten. Das Oberstübchen war geschlossen, ebenso Teilbereich der regulüren Ausstellungsfläche. Nun ja.

Während unserer Tätigkeit für das Diözesanmuseum Paderborn war es oft ärgerlich, für bestimmte Präsentationsabsichten dünnen, wirklich transparenten Gazestoff zu bekommen. Das MKdW hatte es hingekriegt, uns befiel Neid. Zuständiger Designer war jemand namens Hauke Jörgensen. Neu im Shop waren Blumenvasen bzw. Kerzenständer aus dem 3D-Drucker im Plissée-Stil. Diese wären auch gut im Laden von „Freiraum Detmold“ vorstellbar …

Dann gab es da noch einen Mondrian, der nicht aus bunten Rechtecken bestand, zwei unterschiedlich lange Zollstöcke (Sie nannten sie wirklich „Zollstock“ und nicht „Gliedermaßstab“), Exponatsbeschiriftungen auf angeschraubter Folien-Schlaufe, ein gemütliches Stübchen und historische Plakate auf  selbstgebastelten Holz-Kundenstoppern. Damit wäre das Thema MKdW fürs erste erschöpft.

Close Menu