Unsere 8. Föhrreise, die vierte in jährlich ununterbrochener Folge. Immer Anfang September, außer 2024 (Ende September). Nach 3 x Agentur Anja Petersen war es Zeit, deren sehr dünnem Angebot fernzubleiben und zur Agentur Freienstein zu wechseln. Die Preisklasse ab 2000 € pro Woche kam nicht infrage, und so nahmen wir vorlieb mit vordergründig unmittelbarem Halligen-Blick als Lock-Angebot im Haus Uthlande gegenüber dem Flugplatz. Föhr-Kenner pressen jetzt die Lippen zusammen. Von außen sieht der Immobilien-Komplex tatsächlich aus wie ein durchschnittlicher sozialer Brennpunkt im Niemandsland zwischen Gelsenkirchen-Mitte und Altenessen-Süd. Aber wie erwartet entschädigt der Blick. Nach vorne zu den Haligen, von der Küche zum Flugplatz mit Tower bis Amrum-Leuchtturm. Innen ist alles durchrenoviert, die Erbauungszeit nur noch am Balkon- und Fensterzuschnitt zu erkennen. Zu Fuß ins Dorf braucht man eine halbe Stunde, mit dem Fahrrad ist man schnell überall. Am Nachmittag nach Ankunft sind wir die Strecke gleich zu Fuß abgelaufen. Auf der Strandpromenade, vorbei an den altbewährten Gastronomien
- Lipsi
- Schapers
- Sydbar
- Pitschi
- Aquamarin (bis 2024 Calypso)
- Valentino
Auf dem Rückweg kehrten wir bei Aquamarin ein (direkt am etwas runtergekommenen bzw. seit Jahren angekündigt abgängigen Hallenbad Aquaföhr). Toller Blick, gutes Sitzen, aber spürbar muffelig-ignorant bei null Service. Wir mussten selbst das Geschirr der Tisch-Vorgänger abräumen, entsprechend pendelte sich das Trinkgeld ein. An den Nebentischen wurden Pizzen serviert, aber jeweils nur zu 1/3 aufgegessen.
Samstag, 30. August 2025
Im Gegensatz zur „in den Medien“ vertretenen jahreszeitlichen Auffassung zählt der August für uns noch zum Hochsommer, und zwar bis mindestens 31 . Und danach kommt nicht der Herbst, sondern der frühe Spätsommer. Wir nahmen ab Hamburg die A23/B5, stellten Vermutungen über die Verortung der gefährlichen Jahns-Kurve auf der B5 an und forschten unterwegs, was an dem irgendwann mal aufgeschnappten Gerücht dran war, dass die deutsche Schlagersängerin »Alexandra« (1942–1969 »Zigeunerjunge«) wegen der Bekanntschaft zu einem angeblichen Geheimdienst-Mitarbeiter vor dem Tor der Wulf-Isebrand-Kaserne in Heide, der Metropole des Kohlkopf-Landkreises Ditmarschen, absichtlich in einen durch LKW-Aufprall für sie tödlichen Unfall verwickelt wurde (Auch ihr Freund ereilte später das gleiche Schicksal). Mehr als einen unbrauchbaren Gerücht-Status konnten wir nicht ermitteln. In Husum luden wir Strom an einer ausgekuckten EWE-Go-Station auf dem Hof eines McDonalds, wo wir uns hinreißen ließen, eine miskroskopisch winzige Portion Streichholz-dünner Pommes zu kaufen, natürlich nicht an der Theke, sondern über einen der albernen und umständlichen Touchscreen-Bestell-Terminals im Ankunftsbereich von McDonalds. Wir bekamen die Wartenummer 214 zugewiesen. Wie seit Menschengedenken bei der Fastfood-Kette üblich, werden die Pommes in einer offenen Tüte auf die Seite gelegt, sodass sie sich aus der Tüte auf das Plastik-Tablett ergießen. In der abgepackten Ketchup-Ration ist praktisch fast keiner drin. Solcher Spaß kostet 5 € und wir fragen uns, warum diese Art zu diesen Preisen zu essen, so eine Faszination auf jüngeres Publikum ausübt.
Das Hotel »Neuwaft« in Dagebüll entsprach den Erwartungen. Man hatte im Laufe der Zeit mehrere Gebäudekomplexe in 1970er/80er-Jahre-Optik, welche eine Art friesische Ländlichkeit darstellen sollte, zu einem begehbaren rustikalen Labyrinth verbunden, in welchem sich auch irgendwo unser Zimmer 118 verbarg. Uns zog es sofort zum Hafen mit Fährterminal mit aktiver Bahn-Mole. Hier ist immer was los. Dagebüll ist also erfreulicherweise per Bahn zu erreichen. Drei Firmen (NEG, Nah.SH und Deutsche Bahn tun sich zu einer Zweckgemeinschaft zusammen und schicken ab Niebüll einen gemeinsamen Zug nachDagebüll, mit 2 Wagen Nah.SH, 2 Wagen DB-IC und dazwischen ein Gepäckwagen von NEG. In dem fantastischen Reiseterminal von 2004 kehren wir regelmäßig und gerne ein, diesmal nicht drinnen mit Panoramablick über das Hafentreiben, sondern auf der Hochterrasse auf eine Belgische Waffeln mit mehreren Toppings. In der Auslage (leider nicht gekauft) drei Fischbrötchen der Premium-Klasse. Ja, im engeren Bekanntenkreis gibt es Menschen, die aktuell Fisch ab sofort für ihr weiteres Leben ausgeschlossen haben. Der bisherige Höhepunkt der Reise. Der Catamaran »Rüm hart« kam an, Kapitän und Kapitänin rollten eine Planke aus und verabschiedeten persönlich, lachend, scherzend, schulterklopfend die Fahrgäste. Großartig und in Erfüllung des namensgebenden friesischen Spruchs „Rüm hart – klar Kimming“ (bitte selber googeln, was das heißt). Den Hafenbereich verließen wir anschließend zum Abendessen auf der Dagebüller Ausgeh-Meile »Nordseestraße«. Am Nebentisch saßen 8 Dänen, die hier für ihre Verhältnisse spottbilig aßen, und nach der dritten Runde Bier diszipliniert blieben und nicht in krachendes Gackern verfielen. Über das Essen an sich breiten wir mal wieder den Mantel des Schweigens und des Vergessens. Auf der Mole wurde ein beachtlicher Sonnenuntergang erwartet und geboten. Touristen und Einheimische waren mit SUV’s und anderen Autos direkt an die Kante gekommen, um zu kucken und zu fotografieren. Wir fanden unser Zimmer, und die Nacht verlief ohne Zwischenfälle.
Sonntag, 31. August 2025, nach unserer Logik immer noch Hochsommer
Da die Abfahrt nach Föhr erst für 10.40 Uhr gebucht war, wollten und konnten wir das karge Frühstück durch Beobachtungen des geschäftigen Treibens im Saal in die Länge ziehen. Bei Hotel-Frühstücken haben wir uns angewöhnt, auf Bekannte zu achten, bzw. auf deren Epigonen. So saß am Nebentisch vermeintlich der Paderborner Hobby-Fotograf Karlheinz Voßkamp. War er es oder nicht ? Draußen auf dem Parkplatz gerieten wir mit netten Osnabrückern ins Gespräch. Sie kamen in Wirklichkeit aus Bramsche, hatten eine Woche Hotelurlaub in Dagebüll hinter sich und versuchten, uns die Anschaffung von E-Bikes ans Herz zu legen. Sie fuhren einen uns unbekannten, nagelneuen Audi der A- oder Q-Klasse, Verbrenner oder E war auf die Schnelle für uns Nicht-Audianer nicht auszumachen. Wir hatten noch Zeit und wanderten am Deich entlang nach Süden bis zum Kreuzungspunkt, wo die Lorenbahn über den Deich hinweg ins Wattenmeer verschwindet auf ihrer langen und beschwerlichen Reise zu den Halligen, bei glühender Hitze oder schwerer Sturmflut. Es fuhr grade keine. Im Terminal war dann noch Zeit für einen Kaffee. In der Warteschlange neben uns entdeckten wir einen Porsche Taycan mit Nummernschild des Kantons Schwyz. Wir nahmen uns vor, im Auge zu behalten, wo in Föhr dieser Schweizer wohl abbleibt. Bestimmt nicht im Hochhaus Uthlande.
Föhr
Am Hafen in Föhr gastierte der sonntägliche Markt mit Fressbuden, wo wir uns eine Ladung angeblich holländischer Poffertjes gönnten, die leider nicht genug durchgebacken waren, sondern nach flüssigem Teig schmeckten.
Essen-Gehen zu Alt Wyk
Ein bleibendes Faszinosum in Föhr ist für uns immer wieder die Speisekarte des Restaurants »Alt Wyk« in der Großen Straße. Man kann aus 8 Menügängen wählen:
- 4 Gänge – 132 €
- 5 Gänge – 155 €
- 6 Gänge –170 €
- falls Hummer dabei ist, jeweils plus 5 €
- Kulinarisch passende Weinbegleitung dazu 47 bis 70 €. Ob nachgeschenkt wird, wenn man hastig leerzieht, wissen wir nicht.
Macht zu zweit bei gutem Appetit 480 € plus ein entsprechendes Trinkgeld, bei dem man nicht den Knauserigen raushängen sollte, und mit wohlwollendem großzügigen Aufrunden sind wir bei 600 € für den Abend, mit Freunden zusammen natürlich das Doppelte. Vielleicht wird man dann mit Handschlag verabschiedet und darf dem Koch auf die Schulter klopfen und duzen, wenn er zu gegebener Zeit rauskommt und sich zu uns an den Tisch setzt, um locker etwas aus der Küche zu plaudern.
Magisch angezogen fühlen wir uns in allen Urlaubsorten im Norden von Adenauer. Das ist nicht der knorrige Alt-Kanzler aus Rhöndorf, sondern eine Boutiquen-Kette : Jung, sportlich, cool, maritim, nicht unpreisig und blau-orange. Erstmals seit Jahren haben wir so einen Laden betreten und sofort eine gesteppte Kapuzen-Weste ins Auge gefasst, für nur 299,00 €. So billig kommt man bei Alt-Wyk nicht davon.
Nach der eingangs beschriebenen Promenaden-Tour kochten wir uns daheim in unserer Küche mit Aussicht in der 7. Etage ein schönes Abendessen unter Verwendung der Lebensmittel, die wir heute Mittag im auch sonntags geöffnten Insel-REWE gekauft hatten. Dazu wurde ein äußerst unauffälliger Rosé aus dem Burgenland gereicht, ein Geschenk der Agentur Freienstein. Die Sichtverhältnisse blieben diesig. Zwar waren aus unserer Wohunung die Leuchtfeuer von Langeness und Amrum, sowie mit etwas Konzentration das von Hörnum/Sylt zu sehen, aber unsere Hoffnung auf das Leuchtfeuer von Helgoland wurde zerschlagen. Vielleicht auch wegen der großen Entfernung von über 37 Seemeilen mit entsprechender Erdkrümmung.
Montag, 1. September 2025
Der Tag begann mit Brötchen-Holen zu Fuß von Hansen an der Strand-Straße, die aber nicht am Strand liegt, sondern den Abschluss eines ausufernden öden Baugebietes aus den 1970ern inmitten von Tanen- und Heideflächen bildet. Ein Ort des Schreckens. Bei Hansen war alles wie immer. Auf dem Tisch lagen die abgepackten Vorbestellungen, das Publikum bestand aus alten Kerlen, und auf den Inselboten verzichteten wir, weil Montags nix drin steht, von Sport mal abgesehen. Und so erfuhren wir auch keine Details über den »medizinischen Notfall« mit zweistündiger Sperrung gestern bei Gosch am Sandwall. Das hätte uns wirklich interessiert. Von 10 bis 15 Uhr war Regen angesagt, und genau das passierte auch. Eine gute Gelegenheit, den geplanten Programmpunkt Fischsuppe bei Scheel zu erfüllen. Die 2024er Fischsuppe war ausgezeichnet, und nun bot sich wieder die Gelegenheit. Scheel befand sich seinerzeit am Sandwall gegenüber der Gosch-Baustelle, aber seit der Gosch-Eröffnung musste das Fischbistro wohl aus Konkurrenzgründen in die Mittelstraße flüchten. Als wir kamen, war der Laden leer, als wir gingen, voll. Wir hatten also den Punkt vor dem Schwung erwischt. Gleich gegenüber hatte Hansen Plaumenkuchen gebacken. Zwei Stück zum Nachtisch, allerdings nicht vor Ort, sondern zuhause. Am Nachmittag erfolgte eine Wanderung nach Nieblum. Hin am Wasser entlang, zurück über den Grevelingsstieg, an Golf- und Flugplatz entlang. Endlich gab es genug Gelegenheit, die üppig vorhandenen Brombeeren zu probieren : Von sauer über bitter oder überreif bis lecker war alles dabei. Mehrere Pferde auf der Wiese an der Straße ignorierten uns. Ab 17 Uhr kam die Sonne raus, um 18 Uhr war Hochsommer. Ach ja, in Nieblum gibt es ja das beste Eiscafé im Umkreis von 100 Km. Die Kugel zu 2,45, wir probierten Zitrone und Schoko. Beides konnte nicht an die gelieferte Qualität im Eiscafé Europa in Detmold heranreichen.
Dienstag, 2. September 2025
Der Hochsommer hält noch an. Beim vierten Aufenthalt in Föhr wiederholen sich unsere Aktivitäten irgendwie, so ganz viel Neues passiert nicht. Daher war heute mal wieder die Radtour nach Utersum dran. In den vergangenen Jahren hatten wir die Insel leerer erlebt. Inwzwischen gibt es keinen Mangel mehr an Rentnern, Radfahrern und Hunden. Wir sind die letzten, die kein E-Bike fahren. Die Strecke nach Utersum – die alle nehmen – ist abwechslungsreich, ohne öde endlose geradeaus-Abschnitte. Links die Marsch, rechts die Geest. Es geht um die Ecke, man wechselt von Nordwest auf Nord-Nordost. Gastronomie mag es geben, ist uns aber nicht aufgefallen. Was „alle“ ansteuern, ist das »Haus des Gastes«. Obwohl dort absolut nichts geboten wird, sind die Parkplätze voll mit Autos und Fahrrädern. Das Haus präsentiert sich als Stilikone der 1980er Jahre, drinnen wie draußen. Geboten wird während der knapp gehaltenen Öffnungszeiten etwas touristisch orientierte Bürokratie mit Bekanntmachungs-Wandvitrinen, Schaltern zum Stellen von Anträgen und Wartebänken auf diagonal gefliesten Böden. Das Haus wurde erbaut, um den Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen zu entsprechen. Direkt hinter dem Haus des Gastes ist ein Deich angebracht (amtlich; Landesschutzdeich), auf dem man flanieren und auf wenigen Bänken unter Beachtung der Bestimmungen sitzen kann. Hauptattraktion ist der Blick zur Nordspitze von Amrum und zur Südspitze von Sylt. Ein paar hundert Meter weiter beginnen/enden die angebotenen geführten Wattwanderungen, im Extremfall bis Amrum. Eine größere Menge Interessierter hatte sich auf einem Parkplatz hinter dem Deich eingefunden und formierte sich zu einer Wandergruppe. Es war momentan reichlich Flut im Gange, und so beobachteten wir, dass sie noch lange nicht starten konnten, und ersatzweise Theorie und Vorsichtsmaßnahmen gepredigt bekamen. Am Wochenende berichtete der »Inselbote« mal wieder von 5 Hamburgern, die auf eigene Faust durchs Watt wollten und ihre Fähigkeiten und Leistungsgrenzen überschätzt hatten. Rettungsdienste wurden aufmerksam gemacht, starteten Boote und Hubschrauber. Die Geretteten standen zwar schon bis zur Gürtellinie im Wasser, hatten da aber noch gar nicht realisiert, dass der nächste tiefe Priel sie einfach wegspült. Ihre eizige Sorge war, dass ihre Handys nass würden. Retter haben auf sowas richtig Bock, ist ja ihr Job, da auszuhelfen.
Nach diesem trägen Spektakel radelten wir im vorgesehenen Zickzackkurs nach Alkersum, um das Pflichtprogramm „Museum Kunst der Westküste“ zu absolvieren. Nicht nur Pflicht, echtes Interesse steckte dahinter. Es gab wie immer drei Ausstellungen : Im großen Saal der Hämmer »Mittsommer« (Nordisch-maritim-harmloser Spät-Impressionismus mit auffälligem Schwerpunkt auf Skagen bzw. die Sammlung Fielmann). In den Wandelgängen und im Tiefgeschoss war Modernes zu sehen: »Über das Sichtbare hinaus – Jochen Hein und Miguel Rothschild«, experimentell bearbeitete Foto-basierte Werke, natürlich maritim ausgerichtet. Im Oberstübchen unter »Ferner liefen« collagenhaft/scherenschnittige Schwarzweiß-Fotos vom Mars sowie sehr bunte Eclipsen, ungefähr 7. Schuljahr Leistungskurs. Insgesamt erwies sich die Musumsatmosphäre erfreulich verpennt und verlangsamt. In Grethjens Restaurant machte die Speisekarte einen kompakt ausgedünnten Eindruck. Für uns blieb es bei Kaffee/Kuchen, immehin teuer genug. Im Shop – Kauf von 3 Postkarten – warteten wir vergebens darauf, nach unserer Postleitzahl gefragt zu werden. Die Dame sagte, sie wären internationales Publikum gewöhnt und die Postleitzahl schlicht uninteressant. Schade, denn wir hatten uns vorsorglich „90210“ zurechtgelegt (Beverly Hills).
Nach einer ausgedehnten Pause machten wir uns in die beginnende Dämmerung hinein auf eine Extra-Tour auf der Strandpromenade bis zum Hafen und zurück, ohne Einkehr, obwohl noch erstaunlich viel „auf“ und „los“ war, u.a. Bübchens Milchbar. Im Kurpavillon spielte eine 4er-Band bewährte Schlager vom Typ Wolfgang Petry/Andrea Berg bzw. Nachfolge-Künstlern dieses Genres.
Nacb den drei Dämmerungsstufen „Bürgerliche Dämmerung · Nautische Dämmerung · Astronomische Dämmerung“ wurde es stockdunkel. Wir grasten mit dem Fernglas den Horizont südlich von Amrum ab, und siehe da : Das Leuchtfeuer von Helgoland war trotz der 37 Seemeilen heute doch irgendwie auszumachen. Zwar erblickte man nicht direkt die Glühbirne (wie beim Amrumer Leuchtturm, 12 km), aber die kreisende Aura am Himmel. Grandios und Gänsehaut bildend.
Mittwoch, 3. September 2025
Unsere Erinnerungen an Mittwoch beschränken sich auf das stürmische graue Wetter, eine Radtour nach Nieblum, wo wir der joggenden und grüßenden Schauspielerin Victoria Trauttmansdorff begegneten (Psychotherapeutin von Kommissar Sievers aus der auf Sylt spielenden ZDF-Krimiserie Nord Nord Mord). In Wyk fanden wir einen süßen kleinen Hagebau-Markt, um einen – letztendlich nicht passenden – Perlator zu kaufen. Praktizierter Wegwurf von Geld. Ach ja, danach ging es zu Gosch. Beim Essen beobachteten wir die anderen Gäste, die alle, ausnahmslos und gewohnheitsmäßig, ständig aufs Klo gingen.
In der Nacht beruhigte sich das Wetter.
Gosch
Donnerstag, 4. September 2025
Das Wetter hatte sich wieder sehr beruhigt. Nicht alle würden es als Hochsommer bezeichnen, wir aber schon. Wo sollte es heute hingehen ? Nach dem Besuch des „Haus des Gastes“ in Utersum am Dienstag eine schwierige Frage. Eigentlich könnten wir wieder abreisen. Aber was solls. Spontan radelten wir nach Nieblum, ohne dort Verrichtungen vorzunehmen. Windmäßig lief es zwischen Nieblum und Alkersum sehr gut, genauer gesagt, wie ein Möppken. (Ja, wir wissen, eigentlich heißt es „Döppken“). Morsum/Oevenum lagen an der Strecke. Es zog sich hin, und es gelang uns nicht, auf den Weg jenseits des Deiches direkt am Ufer zu gelangen. Statt dessen nahmen wir mit dem viel befahrenen Weg hinter dem Deich vorlieb. Die Mutter hatte eine Viertelstunde damit zu tun, dem nicht abreißenden Strom der Radler das Schafsgatter aufzuhalten und gleichzeitig aufzupassen, dass zwei Schafe nicht die Gelegenheit zum Abhauen nutzten. Im Rahmen der Tour sollte eine Einkehr stattfinden, vorzugsweise bei Bübchens Milchbar, die natürlich geschlossen hatte. Bei Café Steigleider und dem Inselcafé als dritte Wahl waren zum Glück schon alle Tische besetzt. Glenngelato machte das Rennen. Eine weitere Runde nach Feierabend zu Fuß mit Umweg durch das Wattenmeer führte uns auf ein BMW zu Aquamarin.
Freitag, 5. September 2025 – Radtour nach Amrum
Wir standen um 7 Uhr auf und es regnete. Da beschlossen wir spontan, die geplante Radtour um 10.05 Uhr mit dem Cata nach Sylt zu canceln. Sylt im Regen ist wahrscheinlich großartig, aber zu ungemütlich für mit dem Fahrrad.
Hansen, Brötchen, Inselbote.
Kurz nach neun klarte es unerwartet auf. Wir disponierten um. Nun war Gelegenheit, die traditionelle Radtour nach Amrum zu veranstalten, ist auch billiger (38 statt 112 €). Gesagt, getan. Diese Radtouren nach Amrum haben immer den gleichen Ablauf. Ankommen, Radeln nach Norddorf und auf einer anderen Strecke zurück nach Wittdün. Heute entschieden wir uns dafür, am Wattenmeer entlang rauszuradeln, und durch den holperigen Wald zurück. Kurz hinter Wittdün liegt am Deich-Radweg die „Villa Helgoland“, ein privat vermietetes Ferienhaus mit 3 Wohnungen und fantastischem Blick. Wir hatten dort im November 2018 die dööfste der drei Wohnungen. Direkt daneben war in der Zwischenzeit eine weitere in schickem weiß/grau gehaltene historische Kapitänsvilla vom gleichen Typ gebaut worden, die mittlerweile wirkte, als hätte sie schon immer dort gestanden.
Durch Gedankenlosigkeit und Gier fanden wir uns bereits in Nebel plötzlich bei Bäcker Claussen wieder, wo wir seit 1984 bei passenden Gelegenheiten nach Kuchen Ausschau halten und fündig werden. Heute Pflaumenkuchen auf Hefeteig-Basis, da brannten alle Sicherungen durch. In Norddorf landeten wir nach der Pflichtrunde zum Landschulheim nebst Blick über den Deich bis Utersum dann am Strand, einem der dollsten Strände überhaupt. Wir fragten das Strandkorb-Heinzchen von „Jannen“, warum die Körbe auf dem Strand nicht verschlossen sind. Er sagte, wäre nicht nötig. Während wir noch an die generelle Ehrlichkeit der Besucher glaubten, sahen wir anschließend, wie er aus 300 Meter Entfernung die Kontrolle per Fernglas ausübte und illegale Strandkorb-Benutzer aufscheuchen ließ. Eine Weile standen wir im ablaufenden Flut-Saum.
Auf das an dieser Stelle im Ablauf obligatorische Fischbrötchen verzichteten wir. Nach dem Desaster mit dem Fischbröthen 2024 in Norderney, welches hinterhältig von einer Möwe geraubt wurde, waren wir auf der Hut. Das sollte nicht wieder passieren, und am Strand von Norddorf hatten wir kein Fischbrötchen zur Hand. Wie „immer“, kam die Möwe im Sturzflug unbemerkt von hinten. Der erste Versuch ging noch 1:0 an die tapfere Mutter, beim zweiten Angriff gewann die Möwe. Diesmal selbstverständlich kein Fischbrötchen, sondern das von zuhause mitgebrachte Wurstbrötchen, ganz im Sinne von Ernährungswissenschaftlern, die nicht viel von Wurstbrötcchen halten. Eine Sttunde später : Die »Insel-Praline« (super Branding für ein kleines Café mit 3 Tischen) mit Kaffee/Kuchen ließen wir liegen, nun rächte sich der verfrühte Claussen- Besuch mit zuviel Kuchen im Vorfeld. Statt dessen ergab es sich aber, dass durch göttliche Fügung schräg gegenüber Fischbrötchen angeboten wurden. Die verbleibende Zeit bis zum Boarding und Start der Maschine um 15.15 war also gut genutzt. Zum Anbeißen duckten wir uns vorsichtshalber. Auch Preise nennen wir hier bewusst keine.
Nur wenige Pasagiere erkannten wir von der Hinfahrt wieder, unter anderem einen Schäfer mit seinem (zu?) ängstlichen Hund. Er hatte den Amrumer Teil seiner Herde besucht. Die Geschwindigkeits-Mess-App ließ sich von Km auf Knoten umschalten, und siehe da: 8 Knoten Speed im Wattenmeer lagen drin. An Bord ging es ruhig zu. Kaum Autos, eine Handvoll Fahrräder. Wir stellen immer wieder fest, dass das Fährpersonal auf der Teilstrecke Wittdün–Föhr–Dagebüll nicht so locker und liberal drauf ist, wie auf anderen Strecken. Obwohl das ganze Schiff fast leer war, mussten wir die Fahrräder auf einen Haufen mit den Rädern anderer Leute werfen. Dabei verhakte sich unser Rücklicht-Kabel und riss ab. Ein Video von einer durchgeführten und dank der Leere ermöglichten Radtour auf dem Deck hatte leider nichts aufgezeichnet. Das ist sehr sehr schade. Wir lieben solche spontanen Micro-Radtouren im Sekunden-Bereich.
Radtour nach Amrum
Abends, es dämmerte schon, radelten wir trotz defekten Rücklichts noch mal Downtown, um mitzuerleben, was die Band „Swing OK“ (noch bis Saison-Ende am 7.9.) im Kurpavillon heute zu bieten hatte. Das Motto des Tages lautete wohl weichgespülter Rock n‘ Roll der bürgerlichen Sorte, aber durchaus gekonnt vorgetragen. Drei Mann auf der Bühne: ein Drummer, ein Bläser und ein Computer-Typ. Gesang wurde von allen dreien live zugesteuert, wia auch Drums und Gebläse. Die Basics kommen aus dem Rechner. Das ist nicht verkehrt, es verbessert den Sound und die Gesamtqualität.
Endlich hatten wir daran gedacht, das Rollei-Reisestativ mit hoch zu nehmen. Noch später, bei nächtlicher Dunkelheit, scheiterten aber unsere Versuche, das Leuchtfeuer von Helgoland fotografisch einzufangen. Es leuchtete dermaßen unerkennbar schwach, dass es auf den Fotos nicht sichtbar wurde. Vielleicht ungünstige Wetterverhältnisse in Helgoland ? Nur der Mond tat sein Bestes.
Halligen-Blick
Die meisten Fotos : Google Pixel 7
Samstag, 6. September 2025
Der Hochsommer ist eindeutig zurück. Reisen wir heute wieder ab ? Nein, wir bleiben. Beim benachbarten Flugplatz, wo wir die ganze Woche über nur 2 Flugbewegungen gesehen hatten (1 x flog einer weg, 1 x Notarzt-Hubschrauber-Transport) schien heute Großflugtag zu sein. Unter anderem war auch ein Metallic-blaues Ufo angereist, welches unser Interesse weckte. Dazu 1 x USA, 12 Deutsche und vor allem 4 Flugzeuge mit Schweizer Wappen am Schwanz waren gekommen. Sofort werfüllte uns die Sorge, ob Föhr den hohen und höchsten Ansprüchen der Schweizer genügen kann. Wären sie nicht besser gleich nach Sylt geflogen ? Vielleicht doch ganz andersrum : Wir stellen uns vor, dass sie mit dem Bus zum Hafen, von dort mit der Fähre nach Amrum und dann zu Fuß weiter zur Heide-Kate wollen, wo lt. der seit Jahrzehnten unveränderten Speisekarte alle Schnitzelgerichte „mit Käse überbacken“ auf der Speisekarte stehen.
Unsere Mission war heute, für das schuldlos zerdepperte Weißwein-Glas Ersatz zu beschaffen. Im Schrank befinden sich ein vollständiges Set von 6 Rotwein-Gläsern „auch mal ein schönes Glas Rotwein …“ und drei Weißweingläser. Woher diese Diskrepanz ? Ganz einfach : Niemand mag mehr Rotwein, der ist völlig überschätzt. Selbst Weißwein geht zurück, die Winzer haben es schwer und verringen ihre Anbauflächen drastisch. Das Ersatzglas passt nicht wirklich zum Rest-Bestand, daher haben wir es ganz nach hinten gestellt. Gekauft bei einem Krämer in der Mittelstaße, wo sich auch Hansen sowie eine in die Jahre gekommene Sparkassen-Filiale befinden. Schuhe-Eggers mit vielen Schnäppchen, ebenfalls im stilreinen 1980er-Jahre-Look, ist leider nicht in der Nachbarschaft, wie man vermuten könnte, sondern ungerechtfertigt in der noblen Großen Straße, wo auch der Star am Föhrer Gastronomenhimmel, das „Alt Wyk“ die Schönen und Reichen in seinen Bann zieht.
Bis in das Jahr 2005 reicht unsere Erinnerung, dass bei Bübchen’s Milchbar die begehrten Windbeutel im Programm sind. Und nicht nur das, es gab auch einen Platz im Schatten. Ja das muss man sagen, heute wollten alle im Schatten sitzen. Wir gehörten zu den wenigen Glücklichen, die nicht von dem Kerl, der zusammen mit einer (netten) Frau für den Service zuständig war, angeraunzt wurden, weil sie mit ihrem Stuhl, Rollator, Hund, Gehstock, Einkaufstüte so 10 cm zu weit in seinem Durchlaufbereich saßen. Eine Kundin ging daraufhin eingeschnappt wieder, andere stellten ihren Rollator demonstrativ weit genug auf der anderen Straßenseite ab. Der Windbeutel war zwar nur Industrie-Ware, wurde aber frisch aufgeschnitten und mit echter Sahne und heißen Kirschen serviert. Die Referenzklasse an Windbeuteln wurde nicht erreicht. Das bleiben die von „Café am Lotsenturm“ in Timmendorf auf Poel (nicht Timmendorfer Strand). Nach einer Weile ließ sich Bübchen höchstderoselbst blicken. Ein flott gebliebener schlanker Mitt-Siebziger im rosa Hemd, der von Stammgästen begrüßt wurde mit
Moin Bübchen, alte Luftpumpe, frohes Neues !
Da hinter dem runtergekommenen Hallenbad Aquaföhr eine Großbaustelle* dazu zwingt, diese weiträumig zu umfahren, kamen wir diesmal durch eine Straße, in der die Liegenschaft »Villa Fridericia« zu finden ist. Uns erinnert sie an den »Barkenhoff« (Heinrich Vogeler Museum) in Worpswede.
*Wohl nicht der seit Jahren angekündigte Neubau, sondern lt. Baustellenschild eine Talsperre.
vergl. Barkenhoff, Worpswede



